Hin und wieder ist es an der Zeit, Vorratsschränke sowie Kühlschrank einer Generalinventur zu unterziehen. Da finden sich dann immer ganz interessante Dinge, die vor einiger Zeit mal köstliche Nahrungsmittel gewesen sind, mittlerweile aber den Eindruck machen, als würden sie ein Eigenleben besitzen und jeden Moment über ihren Peiniger (also mich) herfallen. Nicht alles altert in Würde. Dazu zählt ohne Zweifel auch frühe Polygongrafik.
War es damals nicht ein revolutionäres Seherlebnis, als man plötzlich in Videospielen die dritte Dimension erobern konnte? Titel wie Star Wing, Daytona USA oder Virtua Fighter ließen damals so manchen mit der Zunge schnalzen. Und was ist von den einst faszinierenden Polygon-Kulissen und -Körpern übriggeblieben? Nicht viel. Kahle Flächen, leere Räume und Aliasing bis der Arzt kommt. Im Prinzip sind diese Spiele nur noch als Anschauungsobjekte eignet, als Pioniere auf dem Weg zu den optischen Standards unserer Zeit. Doch viel Retro-Charme lässt sich hier leider nicht erkennen, kein Vergleich zu heute immer noch ansehnlichen Bitmap-Schönheiten, die paradoxerweise dadurch gewinnen, dass sie in zwei Dimensionen stehen geblieben sind. Ein Zelda: A Link to the Past ist zeitlos und kann unverändert auch heute und in zehn Jahren noch problemlos konsumiert und verehrt werden. Der dreidimensionale Nachfolger Ocarina of Time ist dagegen trotz all seiner spielerischen Brillanz angestaubter, für Zocker neuerer Generationen schwerer zu mögen.
Oder lässt sich an polygonaler Grafik einfach nur besser die rasante Entwicklung des technisch Machbaren veranschaulichen, jenes Gesetz, das Herr Moore ausformulierte und das seitdem die Richtung auf der Entwicklungsautobahn vorgibt? Jene Autobahn auf der die 3D-Optik mit Lichthupe in die Zukunft gerast ist, deren Pioniere aber mittlerweile mit rostigem Getriebe auf dem Standstreifen daherzuckeln.