Warum ich GTA liebe

Einen der schönsten und nachhaltigsten Momente meiner Videospiel-“Karriere“ hatte ich einst bei GTA: San Andreas. Im gewaltigen, namensgebenden Bundesstaat fuhr ich auf dem Spiel-Äquivalent einer Harley die Küstenstraße zwischen Los Santos und San Fierro entlang. Der Morgen dämmerte, die Sonne stieg zu meiner Linken auf und aus den Radiolautsprechern tönte Lynyrd Skynyrds „Free Bird“. Für nicht wenige der Inbegriff der Kitschigkeit, doch ich kannte den Song damals noch nicht. Für mich war es einfach ein perfekter, harmonischer Moment, der nur im Hier und Jetzt existieren konnte. Und das vielleicht genau deshalb, weil er komplett losgelöst von der eigentlichen Spielhandlung statt fand.

Manch einer mag in der Möglichkeit der radikalen Gewaltexzesse im GTA-Universum ein Ritual zur männlichen Minderwertigkeits-Kompensation sehen, andere suchen die Herausforderung, den manchmal sehr störrischen Schwierigkeitsgrad zu bezwingen oder alle Sammelobjekte der Spielwelt aufzudecken. Aber ich liebe Grand Theft Auto vor allem wegen solcher Nebensächlichkeiten wie der oben beschriebenen. Dinge, die sich zufällig ergeben und ihren Reiz daraus beziehen, dass sich nicht reproduzieren lassen, sondern ihre Magie einzig und alleine aus dem Augenblick gewinnen.

Solche Momente erlebe ich im Mikrokosmos von Entwickler Rockstar zuhauf. Sie sorgen selbst bei einem abgebrühten Konsolenveteranen wie mir für Gänsehaut und/oder ein schallendes Lachen. Erst heute wurde ich im GTA-IV-Addon „The Lost and Damned“ wieder Zeuge einer ebenso kuriosen wie wahrscheinlich einmaligen Situation: Ich fahre auf der Flucht vor der Polizei auf dem zwischen den Fahrbahnen gelegenen Fußgängerweg einer Brücke zwischen den Stadtteilen Broker und Algonquin, als ich die Kontrolle über mein Auto verliere und kurz vor einer Unterführung gegen einen Pfeiler krache. Hauptcharakter Johnny Klebitz kracht durch die Frontscheibe seines Sportwagens, segelt die Treppen zur Unterführung herunter und bleibt vor zwei erstaunten Passanten liegen. Ich rappel mich auf und denke „immerhin wurde niemand verletzt“, als hinter mir mit erstaunlicher Verzögerung das Auto die Stufen runter gerast kommt, über Johnny hinweg segelt und die perplexen Passanten unter sich begräbt. Ganz ohne Blutvergießen geht’s in GTA halt doch nicht.

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