Wii gehts weiter?

Satoru Iwatas Mundwinkel hängen zur Zeit auf halb Acht. Der erfolgsverwöhnte Vorsitzende des Videospiel-Marktführers Nintendo spürt, dass sein Unternehmen – lange Zeit souveräner Marktführer – ein wenig die Puste ausgeht und die Konkurrenz wieder heran gekommen ist. Vor allem im Heimatland Japan stagnieren die Absätze der Wii, auch die kürzliche Preissenkung brachte nicht die erhoffte Wirkung.

„Die derzeitige Situation kann nicht als gesund bezeichnet werden“, sagte Iwata besorgt. Nintendo klagt freilich auf einem hohen Niveau: die bisherige Geschichte der Wii war ein einziger, im Vorfeld so sicherlich nicht erwarteter, Siegeszug, die Konsole verkaufte sich weltweit bislang über 50 Millionen mal. Zudem ging es der gesamten Videospiel-Industrie im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise in den vergangenen Monaten nicht gerade rosig. Viele Toptitel wurden ins kommende Jahr verschoben, in der Hoffnung, dass sich die Lage bis dahin etwas entspannt hat und die Leute ihr Geld wieder bereitwilliger ausgeben. Auch „große“ Zelda- oder Mario-Titel gab und gibt es in diesem Jahr nicht (New Super Mario Bros. sehe ich eher als Spin-Off mit Multiplayer-Fokus).

Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Sony und Microsoft Boden gut gemacht haben, obwohl auch sie von den Turbulenzen getroffen wurden. Hat Nintendo den Punkt der Sättigung erreicht, an dem alle Interessierten bereits eine Wii ihr eigen nennen? Wird es nun bestraft, dass Big N trotz gegenteiliger Beteuerungen den Markt der Core-Spieler vernachlässigt hat? Dritthersteller wie SEGA versuchten mehrmals ihr Glück (mit Titeln wie MadWorld, House of the Dead Overkill und The Conduit), fielen dabei aber stets auf die Schnauze. Hat sich Nintendo deshalb in seiner Familienzielgruppe eingeigelt?

Was hinter den Kulissen passiert, bleibt indes im Verborgenen. Mehrere Entwickler, darunter Suda51, haben bereits mit dem Zaunpfahl gewunken, dass Nintendo an einem Wii-Nachfolger arbeitet, welcher dann die zweckmäßige Grafik gegen zeitgemäße HD-Optik eintauschen wird. Auch Analyst Michael Pachter glaubt felsenfest an eine Wii HD (ok, das muss nicht viel bedeuten, Pachter leider bekannlich unter chronischer Senfdazugebritis). Reggie Fils-Aime, CEO von Nintendo of America, weist so eine Konsole aber (noch) vom Tisch. Pachter sei der Einzige, der an eine hochauflösende Wii glaube.

Es ist natürlich gut möglich, dass es sich dabei nur um branchenübliche Finten handelt, mit denen Reggie versucht, die Aufmerksamkeit der Medien und Konsumenten wieder auf die Gegenwart zu richten. Das Vorweihnachtsgeschäft läuft nun an und findet in den USA am Black Friday seinen Höhepunkt. Dann lässt sich eventuell ein Zwischenfazit ziehen, ob Nintendo weiter in Schwulitäten gerät und sich die Gerüchte über eine neue Plattform verdichten.

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