Filmdoppel: Transformers 2 und Star Trek

Samstag abends sollte man normalerweise etwas besseres zu tun haben, als zu hause auf dem Sofa zu sitzen und auf seinen DVD-Player einzureden, er möge die ihm zugeführten Scheiben doch bitte störungsfrei abspielen. Doch dieses Blog heißt nicht ohne Grund Electric Lazyland, denn ich zog es vorgestern tatsächlich vor, einen gemütlichen Abend daheim zu verbringen. Mit der vollen Klischee-Breitseite: Knabberkram, Kissen, Cola – und zwei Blockbuster-Filmen, die in mir sehr unterschiedliche Gefühle hervorgerufen haben.

Bei Transformers 2: Revenge of the Fallen war es in erster Linie das Gefühl, um knapp 140 Minuten Lebenszeit beraubt worden zu sein. Ich gehöre dabei nicht einmal zu den Leuten, die Michael Bay und Jerry Bruckheimer zum Teufel wünschen und jeden Film, an dem mindestens einer des Duos beteiligt ist, von vornherein mit einer ablehnenden Haltung begutachten. Auch Transformers war für mich in Grunde ein recht unterhaltsamer Abendfüller. Zwar eindeutig auf eine Zielgruppe zugeschnitten, die noch in der Schule Mathe paukt und Megan Fox als Maxim-Poster an der Wand hängen hat, aber nichts desto trotz kurzweilig und ab und an sogar Gänsehaut erzeugend. Denn ich gehöre genau zu der Generation, bei der Transformers-Spielzeug im Kinderzimmer zum guten Ton gehörte. Optimus Prime ist wie He-Man und die Turtles einer der großen Helden eines Kindes der Achtziger.

Aber bei Teil 2 setzte nun der nüchterne Blick auf die Realität ein. Gänsehaut wich dem ekeligen Jucken, das ich immer bekomme, wenn ich mich ganz doll fremdschämen muss. Dazu gibt es mehr als genug Gelegenheiten. Das fängt beim nervigen Shia LeBeouf an, den ich für einen zu unrecht gehypten Jungstar halte und der für mich (unter anderem) bereits Indina Jones Kino-Comeback ruinierte, und geht bei dessen Filmeltern, den Nebendarstellern und den Transformers weiter. Trauriger Höhepunkt sind die zwei Zwillings-Autobots mit Homie-Vokabular, die offenbar für die coolen Sprüche zuständig sein sollen, jedem über 14 allerdings bereits in ihrer ersten Szene auf den Sack gehen dürften. Und Jetfire, der alte Autobot mit Krückstock, gibt einem mit seiner Mischung aus General Grievous und Samson aus der Sesamstraße endgültig den Rest.

Die Charaktere sind freilich nicht das einzige gravierende Problem des Films. Bay ist es absolut eindrucksvoll gelungen, den Action-Szenen jegliche Dynamik und Spannung zu nehmen. [Achtung: Spoiler!]

Die finale Schlacht in der Wüste soll wohl das Highlight und dramatischer Klimax von Revenge of the Fallen sein, durch seine lieblose, zerfahrene Dramaturgie und die Dehnung auf gefühlte sechzig Minuten geht jedoch jeder Schwung verloren. Die handelnden Figuren sind einem einfach vollkommen egal (ich habe erst kurz vor Ultimo festgestellt, dass es sich bei den zwei „aufrechten Soldaten“ – Duhamel und Gibson – um die gleichen Charaktere wie im ersten Film handelt), unglückliche Schnitte und eine nicht mitreißende Musikuntermalung sorgen für herzhaftes Gähnen. Wenn ich schon einen so kühl auf Kasse kalkulierten Blockbuster drehe, sollten doch zumindest die Schauwerte stimmen und ein Gefühl von Epik rüberkommen. Bei Transformers 2 ist nichts davon der Fall. Und über die lächerliche Story, das Fehlen eines vernünftigen Antagonisten (The Fallen ist der schwächste Oberhoschi seit dem komischen Franzosen aus ‚Ein Quantum Trost) und platte Gags (John Turturro – was ist nur aus dir geworden?) brauchen wir nicht zu reden. Schade, dass sich die Transformers nur in mechanische Gegenstände verwandeln können. Michael Bay hätte einen in der Form einer Arschbombe verdient.

Meine Laune besserte sich allerdings beim Reboot von Star Trek. Ich war nie ein Trekkie (sondern gehöre seit jeher der Star-Wars-Fraktion an), habe aber in den diversen TV-Serien genug aufgeschnappt, um einigermaßen im Kanon durchzublicken. Kirk, Spock, Pille (der, wie ich erfahren musste, im Original den griffigeren Spitznamen ‚Bones‘ trägt) und Co sind also keine Unbekannten. Dennoch bin ich J.J. Abrams dankbar, dass er sich an einem Reboot versucht hat, das die Uhr auf Anfang dreht und das nach meinem Geschmack immer etwas angestaubte Star Trek in die Gegenwart transportiert. Und das überaus erfolgreich, was nicht nur der stringenten Erzählweise zu verdanken ist, sondern auch dem homogenen Ensemble, das sich auf die Brücke der Enterprise gesetzt hat. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt, was sich vor allem bei Chris Pine und Zachary Quinto zeigt, deren Hassliebe noch Raum für weitere Entwicklungen und Sequels bietet (die sicherlich folgen werden). Kirk-Verkörperer Pine wirkt anfangs genau so arrogant, wie es von den Machern beabsichtigt war, im Laufe des Films spürt man als Betrachter allerdings, dass dort ein Leader heran wächst. Ob Pine das Zeug zu einem großen Darsteller hat, oder er in fünf Jahren in unterklassigen B-Movies versumpft, wird sich zeigen müssen. Zachary Quinto ist Serienfans hingegen durch Heroes bereits ein fester Begriff. Für Spock war er mit seiner kühlen Aura genau die richtige Wahl, auch Simon Pegg als Scotty konnte sofort Sympathiepunkte sammeln (ich mag Pegg dank Shawn of the Dead und Hot Fuzz sowieso, und mit schottischen Akzenten kann man mich immer überzeugen).

Hinzu kommt ein routiniertes, aber nicht ermattendes Repertoire an Spezialeffekten und Actionszenen, die das Sci-Fi-Rad weißgott nicht neu erfinden, sich aber gut einfügen. Zudem wurden im Film, glaubt man der in diesem Fall extrem umfangreichen Trivia-Sektion der IMDb, viele kleine Anspielungen und Tribute an das Star-Trek-Erbe versteckt, von denen ich zwar nur wenig mitbekommen habe, die ich an Filmen trotzdem immer zu schätzen weiß, da sie dem Fan zusätzliches Futter geben. Es soll sich ja schließlich lohnen, Fan zu sein. Dass es auch beim wiederholten Sehen noch was zu entdecken gibt, ist aber bei einem Regisseur wie J.J. Abrams schon fast zwangsläufig. Der Mann zeichnet sich schließlich für hochklassige und doppelbödige Serienhits wie Lost, Alias und Fringe verantwortlich. Generell habe ich als großer Lost- und Fringe-Anhänger bei Star Trek das Gefühl unter guten Bekannten zu sein. Neben Abrams gehört auch seine Clique um Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof und Komponist Michael Giacchino zum Kreis der Macher. Für Greg Grunberg reichte es immerhin noch zu einer Stimm-Cameo als Kirks Stiefvater.

Somit ging mein Filmabend doch noch zufriedenstellend zu Ende. Enterprise 1, Cybertron 0.

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2 Antworten zu “Filmdoppel: Transformers 2 und Star Trek

  1. Dieses Filmdoppel habe ich mir die kommenden Wochen auch noch vorgenommen. Mal sehen ob sie mir dann besser als im Kino gefallen, das Kinojahr 2009 war von Blockbustern her eher eine Enttäuschung.

  2. Hey, ich fand den Star Trek auch supergut! Und das Schönste: Es gibt eine Fortsetzung! Hab da mal bisse recherchiert. Schau doch mal au meinen Blog! 🙂

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