A very gay city

Liberty City: Stadt der Träume, sowohl der geplatzten, als auch der erfüllten. Während man im letzten Add-on zu GTA IV noch die grimmige, nach Chrom und Asphalt stickende Seite der fiktiven Metropole erlebt hat, katapultiert uns die Ballade vom schwulen Disco-Zar Tony Prince geradewegs in das glitzernde Nachtleben und die Welt der Reichen und Mächtigen. Reich und mächtig wäre auch Luis Lopez gerne, doch Tonys rechte Hand verbringt seine Tage hauptsächlich damit, seinem Boss unbequeme Geschäftspartner vom Hals zu halten und in seinen Etablissements für Ordnung zu sorgen.

Da es aber auch für die Minispiel-affine GTA-Reihe auf Dauer zu langweilig wäre, sich die Zeit nur mit Türstehen und Toiletten-Quickies zu vertreiben, trudelt Luis in haarsträubende Missionen rund um gestohlene Diamanten, größenwahnsinnige Araber und mordlüsterne Russen. War The Lost & Damned in dieser Beziehung vielleicht ein wenig zu bodenständig und grau, hat The Ballad of Gay Tony wieder die geballte Ladung an ausgeflippten Charakteren, die ich an GTA so schätze. Vor allem der spleenige Baulöwe Yusuf Amir, der sich sogar seine Waffen und Hubschrauber vergolden lässt, sorgt für viele amüsante Momente – und die spektakulärsten Missionen. Denn auch diese sind in TBOGT fast durchweg krachiger ausgefallen, als das beim Biker-Abenteuer der Fall war. Für Amir versenkt Luis unter anderem eine Luxusjacht, liefert sich eine Schießerei auf dem höchsten Gebäude der Stadt und klaut einen kompletten U-Bahn-Wagen. Ein weiterer Missionsgeber ist Morrie, der (noch durchgeknalltere) Bruder von Publikumsliebling Brucie aus GTA IV. Mit ihn nimmt man u.a. an einer besonderen Form des Triathlon teil. Luis stürzt sich mit Fallschirm aus einem Helikopter, landet auf einem Boot und steigt später auf ein Auto um. Geil! Die Fallschirm/Basejumping-Einlagen lassen sich auch als Minispiel absolvieren. Zu weiteren Freizeit-Aktivitäten zählen Kämpfe in einem illegalen Keller-Fightclub und eine Partie Golf. Wie seit GTA IV üblich, kann Lopez auch jederzeit einen seiner Buddies anrufen und auf einen Drink oder eine Runde Tabledance einladen.

Ich habe ja bereits an anderer Stelle ausgeführt, was die GTA-Games für mich so besonders macht. Viele der lustigsten und nachhaltigsten Momente passieren oft ungeplant aus der Situation heraus. In kaum einer anderen virtuellen Welt lässt es sich besser locker lassen und einfach nur herumtollen. Die GTA-Spiele gehören zu den wenigen Sandbox-Titeln, die diese Bezeichnung auch verdienen. Außerdem ist mir bei den beiden Add-ons, die ich kurz nacheinander gespielt habe, wieder aufgefallen, dass Liberty City die wohl am besten designte Videospiel-Stadt ist, die bisher den Computern eines Entwicklerteams entsprungen ist. Glauwürdigkeit trifft auf Abwechslung und Funktionalität. Viele Orte betritt man während der Missionen gar nicht, im freien Spiel kaum. Und doch tragen sie ihren Teil zum pulsierenden Mikrokosmos bei. Weil man auch dort auf Passanten trifft, die in ihre Handys quatschen. Musiker, die Luis für ein paar Münzen ein Ständchen bringen, und Hotdog-Verkäufer, bei denen der Protagonist seine Energie wieder aufladen kann. Apropos Protagonist: Für Kenner sind vor allem die vielen Querverweise in den Missionen und Zwischensequenzen interessant, die bereits zuvor erlebte Ereignisse nun aus einer ganz neuen Perspektive zeigen. Nico, Johnny, Luis… alles nur Schachfiguren in Rockstars großem Abenteuer. Der Star ist die Stadt.

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