Dragon Age: Origins

Mein Rollenspiel des Jahres. Da interessiert es mich auch nicht, ob es auf dem PC noch ein ganzes Stück besser ist, denn schon die 360-Version ist extrem packend und lässt die Zeit wie im Flug vergehen. Dabei erfindet BioWare das RPG-Rad aber nicht neu. Es scheint im westlichen Fantasy-Genre einfach ein paar Regeln zu geben, an die sich seit Tolkiens Zeiten gefälligst jeder zu halten hat.

Zwerge sind gedrungen, haben lange Bärte (zum Glück nur die männlichen Exemplare), trinken gerne einen über den Durst und schmieden wie die Weltmeister. Elfen sind groß, haben Spitzohren, würden sofort Greenpeace beitreten und werden von den Menschen oft nicht gerade nett behandelt. Magier tragen lustige Gewänder, benehmen sich meist, als hätten sie einen Stock im Arsch, und sind pseudo-intellektueller als Roger Willemsen.

Auch sonst macht Dragon Age vor liebgewonnenen Klischees keinen Halt, präsentiert aber dennoch eine absolut kohärente und glaubhafte Welt, die mit viel Pathos und Hintergrundgeschichte angereichert wurde. Genau so, wie ich es mag. Das Land Ferelden wird von einem Bürgerkrieg und einer untoten Invasionsmacht bedroht – eine Nation voller Intrigen, dunkler Machenschaften und dramatischer Schicksale. Bemerkenswert ist vor allem, wie reif Dragon Age: Origins präsentiert wird. Die Dialoge und Storylines haben Anspruch, überraschen mit gelungenen Twists und wirklich nachhaltigen Entscheidungen, die sich auf Allianzen, Freundschaften und sogar Leben und Tod von Hauptfiguren auswirken. Zudem schafft das Spiel etwas, von dem man oft liest, dass aber fast immer nur halbherzig umgesetzt wird: In Dragon Age empfinde ich wirklich eine Verbundenheit mit meinem Charakter und seiner Helden-Party. Entscheidungen wurden nicht leichtfertig getroffen, ich bemühte mich stets, meiner Rolle als Grey Warden – den legendären Elite-Käpfern Fereldens – gerecht zu werden. Im Laufe der knapp 40 Stunden Spielzeit wuchsen mir Teammitglieder wie der mit trockenem Humor gesegnete Alistair, oder sein Gegenpol, die zynische Hexe Morrigan, richtig ans Herz. Die Gespräche meiner Kameraden waren oft so witzig wie erhellend. Umso drastischer wirken sich da ein paar spätere Storyentwicklungen aus, die mich alles andere als kalt ließen. An manchen moralischen oder emotionalen Zwickmühlen hat man echt lange zu knabbern.

Auch wenn Ferelden nicht frei begehbar ist und manche Areale etwas unbelebt wirken, hat man dennoch das Gefühl, durch eine reale Fantasywelt zu streifen – so widersprüchlich das auch klingen mag. Die Autoren haben sich sichtlich Mühe gegeben, ihrer Welt eine Vergangenheit und Tiefe zu geben. Unterschiedliche Völker, Sitten, ein nachvollziehbares Staatssystem… Als alter DSA-Spieler sind solche Dinge für mich wichtig. Fantasy ist eben mehr als nur Orks, Drachen und Zaubersprüche.

Was mir am eigentlichen Spiel besonders gut gefällt, ist die Detailarbeit in Ausrüstungs- und Strategiemenüs. Man findet extrem viele Items im Spiel und verwaltet nicht nur seinen eigenen Helden, sondern auch die drei ständigen Party-Mitglieder. Was dazu führt, dass man oft Gegenstände austauscht, an Taktiken feilt und seine Truppe zu optimieren versucht. Auch wenn die Menüführung eine Spur eleganter hätte ausfallen können. Wie in allen guten RPGs motiviert die Jagd auf immer besseres Equipment ohne Ende. Ständig hofft man, dass der nächste Gegner ein tolles Rüstungsteil oder die begehrte Waffe droppt. Da kann ich es auch verschmerzen, dass die Steuerung ein wenig hakelig ist und die Scharmützel fast immer in ein unübersichtliches Hauen und Stechen ausarten. Wenn dann noch die opulenten Magieeffekte ins Spiel kommen, kann es schon einmal passieren, dass man überhaupt nichts mehr sieht.

Dragon Age: Origins ist Fantasy für Erwachsene, mit Substanz und Ambivalenz. Wer westlich geprägte Rollenspiele schätzt, muss dieses Werk haben. BioWare haben einmal mehr bewiesen, dass sie die RPG-Könige der letzten Dekade sind.

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