Super Mario: Der ewige Klempner

1981 erschuf Shigeru Miyamoto mehr aus Verlegenheit heraus die Figur des Super Mario für sein Spiel Donkey Kong. Der Italo-Amerikaner war damals allerdings noch namenlos und der Schurke des Spiels, der den titelgebenden Affen gefangen hielt. Erst später bekam er seinen Namen (angeblich benannt nach einem Hausmeister von Nintendos US-Zentrale) und schlug eine Laufbahn als Klempner/Prinzessinenretter ein. Miyamoto musste mit den wenigen zur Verfügung stehenden Pixeln eine markante, identifizierbare Figur kreieren. Daher trägt Mario Schnauzbart und Latzhose, Kappe und Bierpocke. Der typische Weltenretter sieht anders aus.

Allein mit seinem Aussehen und Image kann es Mario also nicht gelungen sein, seinen legendären Status zu erwerben. Er ist kein klotzbrüstiges Sexsymbol wie Lara Croft, keine martialistische Ikone von pubertären Jungmännern wie der Master Chief – zwei Kultfiguren späterer Videospiel-Generationen. Nein, der unscheinbare Handwerker hat es mit Bodenständigkeit und – vor allem – Qualität geschafft, dass er jedermann ein Begriff und in den USA angeblich sogar populärer als Mickey Mouse ist.

Egal ob Länder, Welten oder ganzen Galaxien; alleine, mit Bruder Luigi oder auf dem Rücken von Reitsaurier Yoshi – Mario macht immer eine gute Figur und steht für herausragende Jump’n’Run-Spiele, auch wenn sich an Story und grundlegendem Spielablauf seit knapp zwei Dekaden kaum etwas getan hat. Auch in seinem neusten Abenteuer ‚New Super Mario Bros.‘ für die Wii, das im klassischem 2D-Look daher kommt, springt der Hauptcharakter wieder über bunte Plattformen und auf die Rübe von unzähligen Schildkröten, vertilgt Feuerblumen und schlüpft in grüne Röhren. Das kennt man und das liebt man.

New Super Mario Bros. Wii wirkt allerdings zu routiniert runtergespult. Wo ist die Originalität, die Genialität von Spielen wie Super Mario World oder Yoshi’s Island? Hier und da stößt man beim Spielen auf Ansätze von Großartigkeit, auf wirklich pfiffige Ideen und extraordinäres Leveldesign, im Allgemeinen ist Marios aktuelle Hüpf-Orgie allerdings nur eine Fingerübung von zu höherem Berufenen. Noch immer weit vorne im Genre und von seinem unverfälschlichem und unverwürstlichen Gameplay geprägt, aber nicht ohne Abnutzungserscheinungen.

Ein ganz neues und originelles Feature hat NSMBW dann aber doch zu bieten, auch wenn halbwegs geübte Spieler die Dienste des ‚Autopiloten‘, der bei mehr als achtfachem Ableben Mario von selbst durch das Level steuert, nicht in Anspruch nehmen werden. Man hat Extraleben im Überfluss, an jeder Ecke stolpert Mario über einen grünen Pilz oder kann sich anderweitig über eine weitere Reinkarnation freuen. Nur ganz am Ende fordert das Spiel den erfahrenen Mario-Veteranen noch ein wenig heraus. Der Rest ist ein Durchmarsch, vorbei an Power-Up-Hütten, in denen der Protagonist das immer gleiche Memory-Spiel absolvieren muss, um Pinguin-Kostüme oder Unbesiegbarkeits-Sterne einzuheimsen, Geisterhäusern und Miniboss-Burgen.

Interessanterweise vermarket Nintendo NSMBW primär als Multiplayer-Spiel, bei dem bis zu vier Leute gemeinsam durch die Level springen können. Das ist es aber nicht. Die Architektur der Umgebungen ist klar für einen einzelnen Spieler ausgelegt, kooperative Partien sind natürlich möglich, leiden aber unter diesem Aufbau. Zu oft kommt man sich gegenseitig in die Quere, Unübersichtlichkeit triumphiert über den Spaß am gemeinsamen Spielen. Mario-Spiele (Titel im erweiterten Kreis wie Mario Kart oder Smash Bros natürlich ausgenommen) waren schon immer am besten, wenn sie alleine erlebt und genossen wurden. Daran hat sich nichts geändert. Neben dem ewigen Klempner eine weitere Konstante in diesen Zeiten des Multiplayer-Wahnsinns. Irgendwie beruhigend.

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