MotY: Meine Filme des Jahres

Watchmen

Wie ‚Der Herr der Ringe‘ galt auch die meisterhafte Graphic Novel von Alan Moore und Dave Gibbons als unverfilmbar, doch was Peter Jackson gelang, vollbrachte auch Zack Snyder. Dem Regisseur gelang es mit der Hilfe seiner Drehbuchautoren Alex Tse und David Hayter nicht nur, das visionäre Erwachsenen-Comic authentisch und stringent für die Leinwand zu adaptieren, das umgeschriebene Ende wirkt sogar schlüssiger als im Buch.

Natürlich mussten im Gegenzug einige Storystränge und Nebenhandlungen verkürzt werden, doch dafür haben die Macher bei der Besetzung der Watchmen ein gutes Händchen bewiesen. Vor allem Jackie Earle Haley als misanthropischer Maskenträger Rorschach und Malin Akermann als messerscharfe Silk Spectre II dürften den meisten im Gedächtnis geblieben sein. Zudem hat der Film einen sehr edlen Look, der die Optik der Vorlage prima einfängt, und einen phantastischen Soundtrack mit Songs von Bob Dylan, den Smashing Pumpkins und Philip Glass.

Inglourious Basterds

Nach dem Kinobesuch wusste ich erst nicht, wie ich den neusten Streich von Quentin Tarantino in die Riege seiner Filme einordnen soll. Mittlerweile kenne ich die Antwort: weit vorne. Auch die Geschichte der jüdischen Sondereinheit auf Nazijagd vereint wieder alle Trademarks, die man an QT schätzt. Brillante Dialoge, originelle Einstellungen, kauzige Charaktere und der tiefe Griff in den Fundus der Filmgeschichte, der auch bei ‚Basterds‘ wieder reichhaltig Anwendung findet.

Die meiste Aufmerksamkeit bekam allerdings weder der Regisseur, noch Zugpferd Brad Pitt, sondern Christoph Waltz für seine Rolle des Hans Landa. Und das vollkommen zurecht. Waltz gibt seiner Figur Doppelbödigkeit, Profil und Charme – auch wenn das bei einem Nazi-Oberst und ‚Judenjäger‘ wie ein Oxymoron klingt.

Für mich gehört IB nunmehr zu Quentins Top 3 – gleich hinter Pulp Fiction und den beiden Kill-Bill-Episoden – und hat damit seinen Platz auf dieser Liste wahrlich verdient.

Iron Maiden: Flight 666

Wenn man mich fragen würde, welche fünf Bands den Begriff ‚Heavy Metal‘ am besten definieren, wären Maiden auf jeden Fall dabei. Das Sextett um Steve Harris und Bruce Dickinson spielt seit ca. 30 Jahren seinen unverkennbaren Stil, den man entweder liebt oder hasst. Wer vernünftig ist, der liebt ihn und wird dann auch an der Dokumentation ‚Flight 666‘ sehr viel Vergnügen haben. Denn Dickinson ist nicht nur einer der weltweit besten Metal-Sänger, sondern auch ein hervorragender Pilot, der selbst die dicken Maschinen fliegen darf.

Die Eisernen Jungfrauen vereinten die beiden Leidenschaften ihres Frontmans und flogen bei ihrer jüngsten Welttournee mit dem eigenen Flugzeug, der ‚Ed Force One‘, rund um den Globus. Während Dickinson am Steuer saß, amüsierten sich Band und Crew im Rückraum der Maschine. Doch Flight 666 ist mehr als nur unterhaltsames Road Movie der anderen Art. Als Fan erfährt man auch viel über die sechs Musiker, den logistischen Aufwand einer solchen Tour und die Begeisterung, die die Band bei ihrem Anhang rund um die Welt entfacht. Metal als Produkt einer friedlichen Globalisierung. So soll es sein. Und als Bonus gibt es noch eine Zusatz-DVD mit den größten Maiden-Livehits obendrauf.

Frost/Nixon

Vielleicht der Geheimtipp dieser Liste. Dabei hätte der Medienthriller von Ron Howard alle Aufmerksamkeit verdient. Denn sein auf Tatsachen beruhender Film über ein Interview mit dem nach der Watergate-Affäre zurückgetretenen US-Präsidenten Richard Nixon und dem britischen Journalisten David Frost überzeugt vor allem durch zwei Dinge: seine beiden Hauptdarsteller und die aufs Wesentliche reduzierte Inszenierung.

Frank Langella ist in seiner Rolle schlicht brillant und verleiht seinem Nixon eine geradezu magnetische Ausstrahlung, die den Mistkerl am Ende sogar noch sympathisch und aufrichtig bedauernswert erscheinen lässt. Michael Sheen hingegen kann viel mehr als Vampierfilme (Underworld, Twilight) und schlüpft reibungslos in die Rolle des etwas naiven und überambitionierten Reporters, der die Story des Jahrzehnts gerochen hat und sich dafür finanziell hoffnungslos zu übernehmen droht, da kein Sender das vierteilige Interview unterstützen will.

Howard setzt diese Fragerunden wie einen Boxkampf in Szene. Mal wird nur angetäuscht, dann plötzlich durchgezogen; die Kontrahenten taumeln, werden von ihrer Crew beraten und aufgerichtet, bis am Ende einer den folgenschweren Fehler begeht und sein Gegner ihn ausknockt. Das ist spannend, informativ und wird von der Kamera nüchtern, aber dennoch effektiv in Szene gesetzt. Interviews als Zeitgeschichte.

The Wrestler

Die filmische Wiedergeburt des Mickey Rourke. Über Dekaden hinweg war er nicht gerade als darstellerisches Glanzlicht bekannt, so dass offenbar erst Darren Aronofsky mit seiner No-Budget-Produktion kommen musste, damit Rourke und die Welt seine schauspielerische Klasse wiederentdeckten. Doch er muss gespürt haben, dass die Rolle des Showkämpfers Ram Robinson, der im Leben nur im Ring Erfolge feiern konnte, wie für ihn gemacht ist. Dementsprechend liefert Rourke die beste Leistung seiner Karriere ab und bannt den Blick des Zuschauers auf den Bildschirm. Vor allem die Wrestling-Szenen, in denen sich Rourke nicht doublen ließ, sind packend und dramatisch. Denn im Gegensatz zum TV-Wrestling mit seiner bis ins kleinste Detail durchgestylten Kunstwelt, duellieren sich dort nicht zwei Kontrahenten vor einem Millionenpublikum, sondern sie zeigen die andere Seite der Medaille, in denen die Ringer unter miesen Bedingungen im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben kämpfen.

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