GotD: Meine Spiele des Jahrzehnts

Kürzlich habe ich euch an dieser Stelle bereits meine Spiele des Jahres präsentiert, doch übermorgen geht nicht nur 2009, sondern eine ganze Dekade zuende. Folgende 10 Videospiele haben mich in diesem Zeitraum am meisten beeindruckt, bzw. meinen Spiele-Konsum nachhaltig geprägt. Bei mehrteiligen Franchises (wie z.B. GTA) habe ich mich auf einen Teil beschränkt, ganz weg gelassen wurden (Trend)sportupdates  wie PES oder Tony Hawk, da es hier unmöglich war, im Nachhinein festzustellen, welche Auflage mein Favorit war. Die Auswahl fiel auch so schon schwer genug.

10. Super Mario Galaxy

Mario ist die Videospiel-Ikone schlechthin und hat auch im neuen Jahrtausend wieder seine Unverwüstlichkeit unter Beweis gestellt. Sein Ausflug ins Universum trumpfte mit allen Tugenden auf, die man als Kind der 8- und 16-Bit-Generation am Klempner kennt und liebt. Einwandfreie Steuerung, die durch die Wiimote zwar nichts gewann, aber eben auch nichts verlor, konkurrenzlos gutes Leveldesign und den Charme eines alten Haudegens, dem man sein Alter nicht ansieht. Dass Mario nun auf verschiedenen Planeten hüpfte, gab den Designern um ihren Sensei Shigeru Miyamoto noch mehr Möglichkeiten, um sich kreativ auszutoben. Mal nutzt der Schnauzbartträger die Schwerkraft, um einen Himmelskörper flugs zu umrunden, mal setzt er sie außer Kraft und schwebt völlig losgelöst durchs All. Super Mario Galaxy erreichte nicht ganz die Brillanz von Yoshi’s Island und Super Mario World, der Held war aber auch in den Nullern wieder der ungekrönte Jump’n’Run-König.

09. Vagrant Story

Rollenspiele japanischer Prägung kommen mir normalerweise nicht in die Konsole, zu schlecht sind meine Erfahrungen mit zwanghaftem Aufleveln, Rundenkämpfen und Kitsch-Overkills. Bei Vagrant Story, einer leider fast in Vergessenheit geratenen Perle von Square, ist jedoch alles anders. Die Suche des Elitesoldaten Ashley Riot nach sich selbst und den Mysterien der Stadt Leá Monde faszinierte mich von Anfang an durch ihre geheimnisvolle Atmosphäre und das außergewöhnliche Design. Vagrant Story ist vielleicht das ungewöhnlichste RPG aus dem Hause Square. Keine Party-Verwaltung, keine Weltkarte, keine Teenager mit Pubertätsproblemen. Dafür eine absolut fesselnde Story mit tollen Twists und ein äußerst motivierendes Kampfsystem, das – einmal durchschaut – jeden Kampf zur taktischen Feuertaufe macht. Seit kurzem ist das Spiel auch in Sonys Online-Shop zu haben, eine Fortsetzung scheint aber leider nicht auf dem Plan zu stehen.

08. Okami

Ein Spiel wie ein Gemälde – und das nicht nur, weil in Okami mit virtueller Tusche Dinge zum Leben erweckt werden können. Die komplette Art Direction von Clovers Abschiedswerk ist einzigartig und wie aus dem viel zitierten Guss. An sich kann ich dem exaltierten japanischen Stil nicht viel abgewinnen, bei Okami empfand ich ihn aber als charmant und äußerst passend. Dass sich hinter dem originellen Konzept, bei dem man mit einem Zauberpinsel Bäume zum Blühen bringt und Gegner in zwei Hälften teilt, ein klassisches Action-Adventure nach Zelda-Art verbirgt, ist auch kein Nachteil. Schließlich gefiel mir Okami weit besser als das im gleichen Jahr veröffentlichte Twilight Princess. Beim vermeintlichen Underdog mit Wolfsgöttin Amaterasu gibt es mehr zu entdecken, mehr zu staunen und mehr zu lachen. Letzteres vor allem dank Sidekick Issun und Krieger Susano, die auch hinsichtlich der Story eine größere Rolle spielen, als man das zunächst denkt.

07. Resident Evil 4

Vor Teil 4 waren die Resident-Evil-Spiele zwar atmosphärisch, aber auch behäbig und undynamisch. Für meinen Geschmack war das zu viel zu träge. Wenn ich Jill Valentine durch das Herrenhaus steuerte, hatte ich oft den Eindruck, stattdessen ein Klavier durch ein Treppenhaus zu bugsieren. Doch mit dem ursprünglich Gamecube-exklusiven Resident Evil 4 änderte sich das schlagartig. Schon die erste Sequenz in einem spanischen Dorf voller Freaks zeigte, wo der Survival-Horror-Frosch ab sofort die Locken hat. Dank einem neuen flotten Steuerschema und der seither x-mal kopierten Schulterkamera ließ sich Leon Kennedy flüssig durch die Horde von Verrückten lenken. Mit dieser Szene hatte RE4 sein Pulver aber noch nicht verschossen, der Rest des Spiels war fast über die gesamte Dauer ähnlich nervenaufreibend und gelungen präsentiert. Dass der langsame Grusel der Vorgänger nun schierer Panik wich, hat nicht allen Fans zugesagt, für mich war es aber genau der richtige Schritt zur rechten Zeit. Allerdings zeigte dann Resident Evil 5 dass die Steuerung für die damalige Zeit zwar vorzüglich war, mittlerweile aber ähnlich hinter her hinkt, wie ein Zombie mit weg geschossener Kniescheibe.

06. Shadow of the Colossus

In der letzten Dekade wurde oft gestritten, ob Videospiele Kunst seien, das elegische Meisterwerk von Team ICO ist eines der besten Argumente für die Befürworter. Ein Spiel, das in nahezu jedem Punkt außergewöhnlich und wirklich bewegend ist. Es stellt Fragen über Moral, Liebe und die Folgen unseres Handelns, ohne in Textwüsten zu versinken oder die Kitsch-Keule zu bemühen. Die Antworten findet man auf dem Streifzug durch die einmalige, aufs Wesentliche reduzierte Welt von SotC selber. Darüber hinaus sind die Duelle gegen die wirklich gigantischen Kolosse eine inszenatorische Wucht. Den Moment, als ich z.B. auf dem riesigen Sandungetüm herumkletterte, werde ich nie vergessen. Und wenn dann eines dieser Geschöpfe im Todestaumel zu Boden sinkt und die melancholische Melodie einsetzt, dürfen auch Männer weinen. In seinem Erscheinungsjahr habe ich Shadow of the Colossus noch nicht hoch genug eingeschätzt, aber am Ende der Dekade ist klar, dass wir es hier mit einem epochalen Werk zu tun haben, das von wahren Meistern geschaffen wurde.

05. BioShock

Der Star ist die Stadt: Keine Videospiel-Metropole (außer das Liberty City der GTA-IV-Ära) konnte mich in den vergangenen zehn Jahren so beeindrucken wie das von Irrational Games errichtete Dystopia names Rapture. Die visionäre Unterwasser-City des Andrew Ryan ist atmosphärisch so intensiv, dass man im wahrsten Sinne des Wortes in die Spielwelt versinkt und in einen Tiefenrausch gerät. Originelles 50er-Jahre-Design verbindet sich mit utopischer Technik, zynischen Werbebannern und Neon-Tafeln zu einer faszinierenden Umgebung. Für das I-Tüpfelchen der Genialität sorgt aber die Story des Shooter-Adventures aus der Ego-Perspektive. Nach und nach erfährt man von der tragischen Vorgeschichte der verfallenen Stadt, dem Konflikt der verschiedenen Ideologien und dem Wahn der Mächtigen. Hier könnte so mancher hochgelobter Roman- oder Filmautor noch richtig was dazu lernen. Das gilt auch für den mittlerweile legendären Twist gegen Ende des Spiels, der nicht nur mich erst verwundert, dann erschrocken und letztendlich begeistert zurück ließ. Und dann sind da ja noch die ikonografischen Big Daddys, jene Riesen in antiquierten Taucheranzügen, die mit den unheimlichen Little Sisters im Schlepptau für puren Nervenkitzel und eindrucksvolle Momente sorgen.

04. God of War

In der sich verabschiedenden Dekade gab es wohl keine anderen Spiele, die eine derart epische Action-Orgie boten, wie die beiden God-of-War-Episoden. Kratos, der König der Antihelden, metzelt sich durch ein Panoptikum der griechischen Mythologie und begegnet dabei allen Sagengestalten, die nicht bei drei auf dem Olymp waren. Kaum eine überlebt die Begegnung mit dem sauertöpfischen Spartaner. Bei God of War jagt ein epischer Höhepunkt den nächsten, „Wow“-Momente rasseln so verschwenderisch wie beim Insolvenz-Verkauf über den Bildschirm. Angefeuert vom pompösen Soundtrack und der üppigen Grafikpracht kämpft Kratos gegen Götter, klettert auf Titanen und killt turmhohe Ungeheuer. Es lässt sich lange darüber streiten, ob der zweite Teil nicht noch eine Spur bombastischer und abwechslungsreicher ausgefallen ist, für mich gab jedoch das Gefühl den Ausschlag, das ich bei der Begegnung mit der Hydra im Auftakt zu Teil 1 empfand: OMFG!

03. The Elder Scrolls III: Morrowind

Alles an Bethesdas Mammutwerk ist gewaltig: Die Größe der Spielwelt, der Umfang (es lassen sich locker 150 Stunden und mehr in Vvardenfell verbringen) und auch die spielerische Freiheit. In Morrowind gibt es keine Grenzen, keine Limitationen. Jedes Haus kann betreten, jeder Gegenstand gesammelt werden. Kaum ein Quadratmeter des virtuellen Bodens, der kein Geheimnis beherbergt. Zudem gehört die für die Elder-Scrolls-Spiele erschaffene Welt Tamriel zu den am besten ausgearbeiteten der RPG-Historie. Ich persönlich verknüpfe so viele tolle Erinnerungen an TES III, dass es kein anderes Spiel dieser Art gibt, das für mich den Begriff „Rollenspiel“ so treffend definiert. In Morrowind bin ich Tairach der Ork – für die Zeit am Pad existiert nur noch der Avatar, aus Fantasy wird Gegenwart. Ich brauche bis heute nur das traumhafte Theme von Jeremy Soule zu hören, um sofort am ganzen Körper Gänsehaut zu bekommen. Was Morrowind den ebenfalls grandiosen Nachfolger Oblivion überflügeln lässt, ist die einen Tick eindrucksvollere Welt, mit ihren organischen Telvanni-Bauten, den riesigen Schlickschreitern und Zwergen-Ruinen, die wie eine Koproduktion von Escher, Bosch und Giger anmuten.

02. Metal Gear Solid 3: Snake Eater

Metal Gear Solid war ein spielerischer und erzählerischer Paukenschlag mit legendären Momenten wie am Fließband. Metal Gear Solid 4 ein würdiger Abschluss einer kolossalen Erzählung. Aber meine Lieblings-Episode von Hideo Kojimas Meisterwerk ist der die Vorgeschichte erzählende dritte Teil, in dem man als Big Boss durchs russische Unterholz kriecht. MGS3 hat die meiner Meinung nach dichteste Story, das beste Gameplay und die großartigsten Charaktere aller Metal-Gear-Games. Und das will bei einer Saga, der es an brillanten Storytwists und Charakteren wahrlich nicht mangelt, schon etwas heißen. Vor allem drei Glanzlichter der Videospiel-Geschichte dürften sich jedem Spieler tief in die Synapsen gebrannt haben: Die beklemmende Konfrontation mit The Sorrow, die mich auf kluge Art über meine Taten im Spiel und dessen Konsequenzen nachdenken ließ; das epische Duell mit The End, dessen Inszenierung zum besten gehört, was die digitalen Künste hervorgebracht haben; und nicht zuletzt das traurig-grandiose Finale inmitten einer Blumenwiese, wenn uns das Spiel auf perfide Weise zwingt, The Boss höchstpersönlich ein dramatisches Ende zu bereiten. Metal Gear Solid 3 fördert sämtliche Emotionen und zelebriert das Medium Videospiel wie kaum ein anderer Titel.

01. GTA III

Eine solche Liste ohne Grand Theft Auto wäre ein Frevel. Kaum ein Franchise hat die Dekade mehr geprägt als die Gangster-Simulationen aus dem Hause Rockstar. Doch die mediale Aufmerksamkeit – positiv wie negativ – kommt nicht aus heiterem Himmel. GTA polarisiert – und das ist auch gut so. Für mich hat Teil 3 seinerzeit den Grundstein zu einem meiner favorisierten Genres gelegt – der Sandbox-Action – und war ein großer Schritt bei der Erschaffung eines GTA-Mikrokosmos‘, der sich mit Wonne an unserer Popkultur bedient und daraus sein eigenes Universum bastelt, in dem zwar alles eine Spur übertrieben rüberkommt, dessen Seitenhiebe aber nicht kopflos sind. Auch die spielerischen Möglichkeiten waren damals eine kleine Sensation. Ich habe wirklich Stunden damit verbracht, einfach nur durch Liberty City zu streifen und Blödsinn anzustellen. Wie in einem reellen Sandkasten konnte das sowohl destruktiv, als auch konstruktiv sein. Es hat jedenfalls immer verdammt viel Spaß gemacht. Auch wenn GTA IV an sich das bessere Spiel ist, steht hier Teil 3 dennoch zurecht, da es einfach die bedeutendere Veröffentlichung von beiden war, die eine ganze Ära des Videospielens eingeläutet hat.

So, das war’s. Viele Spitzentitel mussten leider draußen bleiben. Exemplarisch seien Half-Life 2, Ninja Gaiden, The Chronicles of Riddick und auch das noch ganz frische Uncharted 2 genannt. Auffällig ist auch, dass sich kein einziger reinrassiger First Person Shooter unter den Top 10 befindet, obwohl ich das Genre sehr mag. Aber anscheinend konnte kein Spiel langfristig genug faszinieren.

Auf die nächsten zehn Jahre und einen guten Rutsch!

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Eine Antwort zu “GotD: Meine Spiele des Jahrzehnts

  1. Nette Liste, einige davon würden auch in meiner Liste auftauchen.
    Das hätten wir eigentlich auch für consolegamers machen sollen 😀

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