Sammelwut

Ich gebe zu: Ich bin kein großer Sammler, weder von Hardware noch von Software. Zum einen, weil ich nicht über den nötigen Stauraum verfüge, und zum anderen, weil ich alte Spiele und Geräte oft zu Geld gemacht habe, um Neues zu finanzieren. Dennoch bin ich natürlich nicht frei von nostalgischen Gefühlen. Daher hat mir der Besuch von CONSOLLECTION viel Freude bereitet. Nicht nur, weil die Seite einen lückenlosen (?) Überblick auf die Historie der Konsolen und Handhelds gewährt, sondern auch, weil man beim Klick auf die einzelnen Geräte sofort ein wohltuendes Kribbeln bekommt und sich unweigerlich wünscht, man hätte Atari 2600, NES und Gameboy doch nicht weg gegeben.

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Hail to the Chief

Etwas irritiert las ich kürzlich im amerikanischen NeoGAF-Forum den Beitrag eines Users, der sich über Boss-Kämpfe in Videospielen beschwerte und sie als nicht zeitgemäß befand.
Da muss ich heftig wiedersprechen und will daher an dieser Stelle mal eine kleine Laudatio auf die levelbeschließenden Showdowns halten.

Während die Standard-Gegner, die man zu Dutzenden im Spielverlauf trifft, meist nur durch ihre Masse Gefahr ausstrahlen, stellt der Endgegner einen mindestens ebenbürtigen Gegner da – ein Duell auf Augenhöhe, bei dem wir all unsere erworbenen Fähigkeiten unter Beweiß stellen müssen. Der Endkampf prüft gewissermaßen, ob wir es verdient haben, im Spiel voranzuschreiten, kommenden Aufgaben gewachsen sind und aus bereits absolvierten Passagen die richtigen Lehren gezogen haben.
Die Kreaturen, seien es bildschirmfüllende Monstrositäten oder menschliche Erzfeinde, verfallen vor dem Kampf nicht selten in pompöse Posen oder geben markige Sprüche zum Besten – für uns nur noch mehr Anreiz, endlich zu zeigen, was eine Harke ist und ungeduldig darauf zu warten, dass es endlich losgeht.

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Und schon wieder Lost

Ok, ich weiß. Langsam wird’s lästig. Aber es sei versprochen, dass dies der letzte Beitrag über Lost ist, bis am 2.2. die sechste Staffel startet. Aber das folgende Video, das den Absturz von Flug 815 im Stile von ’24‘ (Echtzeit, Splitscreens,…) nacherzählt, ist einfach zu gut.

Lost in Retro

Erst kürzlich hatte ich hier eine fiktive Cartridge-Hülle zu einer Avatar-Versoftung für das Atari VCS 2600 gepostet, aber da ich ein unverbesserlicher Lost-Junkie bin, komme ich nicht drumherum, ein weiteres Werk von Robert Penneys Retro-Arbeiten zu präsentieren.

Lost als klassisches Adventure mit SCUMM-Engine… Ich würde einiges tun, um das wirklich spielen zu können. Vergesst ‚Via Domus‘.

Gefunden bei Nerdcore

Heaven & Hell: Darksiders

Die Apokalypse ist in Film und Spiel schon sooft thematisiert worden, dass es mich nicht verwundern würde, wenn das ZDF uns den epischen Endkampf zwischen Gut und Böse bald als leicht verdauliche Telenovela anbietet, in der Gott und Teufel beim Nachmittagstee über das zukünftige Weltenmanagement streiten. Im Fall von Darksiders aus dem Hause Vigil Games liegen die Dinge allerdings ein wenig anders, denn wie Protagonist Krieg – einer der Apokalyptischen Reiter (nicht die Band) – nach seinem Einschlag auf der Erde erfahren muss, handelt es sich beim Tete-a-tete zwischen Engeln und Dämonen gar nicht um den richtigen Weltuntergang. Irgendjemand hat da offensichtlich was verbockt, Krieg wird zum Sündenbock erklärt, verliert seine Kräfte und muss die Dinge wieder ins Lot bringen. Dumm gelaufen.

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Um jeden Preis?

Wir Videospieler neigen wider besseren Wissens oft dazu, in Entwicklern und Publishern Unternehmen zu sehen, in denen noch idealistische Kreativköpfe mit langen Haaren und Orgien im Whirlpool (→ Nolan Bushnell) regieren und die vom orangenen Uhrwerk des Kapitalismus ausgeklammert werden. Videospiel-Entwickler ist für viele noch immer ein Traumberuf.

Aber natürlich gelten die Gesetze der freien Marktwirtschaft auch für den Bereich der interaktiven Unterhaltung. Profit steht über allem, da nimmt es manch einer mit Arbeitnehmerrechten und würdigen Arbeitsbedingungen nicht ganz so genau. Wer nicht zu denjenigen gehörte, die im Zuge der Wirtschaftskrise den Job verloren, muss nun oft ein unmenschliches Pensum ableisten. Deutlich wurde das jüngst durch den Fall von zwei Rockstar-Studios. Den Anfang macht die Dependance in San Diego, bei der sich die Frauen und Lebensgefährtinnen der Entwickler in einem offenen Brief zu den Arbeitszeiten ihrer Angehörigen äußerten. Seit fast einem Jahr sollen diese jeden Tag mindestens 12 Stunden schuften müssen, 6 Tage in der Woche. Zudem sei das Betriebsklima auf den Nullpunkt gesunken.

Kurze Zeit später meldeten sich weitere anonyme Quellen zu Wort, laut denen es beim kanadischen Team von Rockstar Vancouver, die zur Zeit an Max Payne 3 arbeiten, nicht besser aussehe. „Alles, was in dem Brief der „Rockstar“-Frauen steht, trifft auch auf meine Erfahrungen bei Rockstar Vancouver zu“, wird ein Insider zitiert. Neben regelmäßigen 70+-Stundenwochen seien auch zwei Wochen Urlaub gestrichen worden.

Beide Studios gehören zu Publisher Take-Two, die wie viele andere Unternehmen unter der wirtschaftlichen Lage der letzten Monate gelitten haben und in erster Linie vom Erfolg ihres Zugpferds GTA leben. Zudem gilt CEO Strauss Zelnick unter Experten nicht gerade als Genie. Man kann sich gut vorstellen, wie wichtig die großen AAA-Titel Red Dead Redemption und Max Payne 3 für Take-Two sind und dass die Mitarbeiter in den Studios daher unter großen Druck gesetzt werden.

Wenn wir also das nächste Mal über einen verschobenen Release-Termin meckern, sollten wir bedenken, dass auch Videospiele noch immer ein Werk von Menschen sind, die unter zum Teil unwürdigen Umständen an ihren Produkten feilen. Man kann nur hoffen, dass Maßnahmen in die Wege geleitet werden, um die Arbeit an einem Videospiel wieder zu dem zu machen, was sie in vielen Augen noch immer ist: ein Traumjob. Und keine Knechtschaft, die der Undercover-Recherche eines Günter Wallraff würdig wäre.