Heaven & Hell: Darksiders

Die Apokalypse ist in Film und Spiel schon sooft thematisiert worden, dass es mich nicht verwundern würde, wenn das ZDF uns den epischen Endkampf zwischen Gut und Böse bald als leicht verdauliche Telenovela anbietet, in der Gott und Teufel beim Nachmittagstee über das zukünftige Weltenmanagement streiten. Im Fall von Darksiders aus dem Hause Vigil Games liegen die Dinge allerdings ein wenig anders, denn wie Protagonist Krieg – einer der Apokalyptischen Reiter (nicht die Band) – nach seinem Einschlag auf der Erde erfahren muss, handelt es sich beim Tete-a-tete zwischen Engeln und Dämonen gar nicht um den richtigen Weltuntergang. Irgendjemand hat da offensichtlich was verbockt, Krieg wird zum Sündenbock erklärt, verliert seine Kräfte und muss die Dinge wieder ins Lot bringen. Dumm gelaufen.


Die nun folgende Story, die euch durch die etwa 18 Spielstunden begleitet, ist recht verwirrend ausgefallen, was unter anderem daran liegt, dass sie kaum erklärt wird und die handelnden Figuren Namen tragen, die den Anschein erwecken, die Entwickler hätten mit verbundenen Augen in ein Mythologie-Wörterbuch getippt. So tauchen Namen wie Tiamat, Stygian und Vulgrim auf, die Metal-Fans zwar gefallen dürften, mit christlicher Bibelkunde aber nur wenig zu tun haben. Im Grunde genommen reicht es daher zu wissen, dass Krieg keine Gefangenen macht und alles umnietet, das ihn und seine putzige Robe schief anguckt.

Story und Charakterdesign stammen von Comic-Legende Joe Madureira. Kriegs Erscheinungsbild erinnert jedoch eher an ein gedrungenes Rotkäppchen mit Metall-Fetisch, als an einen sagenumwobenen Reiter der Apokalypse. Generell haben ich aber keine Probleme mit dem Grafikstil von Darksiders. Alles fügt sich gut zusammen und sieht ordentlich aus, ohne mit übertriebener Hochglanz-Optik protzen zu müssen. Für Atmosphäre sorgt auch die (zumindest auf Englisch) hochklassige Vertonung, bei der z.B. Mark Hamill wieder sein Stimmen-Talent unter Beweis stellt.

Spielerisch bewegt sich Darksiders auf gründlich erkundetem Terrain. Ich habe die Metapher vom alten Wein in neuen Schläuchen nie verstanden, schließlich wird Wein mit dem Alter immer besser, aber im Prinzip trifft der Spruch auf Vigils Action-Adventure zu. Darksiders nimmt sich Elemente von Spielen wie Zelda, God of War, Devil May Cry oder Soul Reaver und kümmert sich nicht um Eigenständigkeit. Einen Ansatz, für den nicht jeder Verständnis haben dürfte. Selbst das HUD und viele Dungeon-Elemente erinnern frappierend an die Abenteuer eines gewissen Link. Egal, ob ihr nun eine Barriere zerstört, indem ihr vier Wächterspinnen erledigt, oder die Zeit verlangsamt, um mit einer Bombe den Weg freizuräumen. Dennoch: Darksiders hat seinen eigenen Charme und gefällt mir vom Rätseldesign sogar besser als z.B. Twilight Princess. Ein paar Kopfnüsse bringen das Haupt ordentlich zum Dampfen. Auch das Kampfsystem funktioniert. Es erreicht zwar nie die Tiefe oder Abwechslung eines God of War oder DMC, spielt sich aber flott, unkompliziert und nicht zu leicht. Auch gegen Standardgegner ist im späteren Spielverlauf regelmäßiges Ausweichen Pflicht. Antiklimatisch gestalten sich leider die Bosskämpfe. Hier ist Nummer 1 – auch aufgrund der zu dieser Zeit noch spärlichen Energiebalken – der eindeutig stärkste Opponent. Das letzte Duell gerät hingegen zum Kinderspiel.

Trotz des auffälligen Ideen-Recyclings und diversen nervigen Elementen (die Kamera sitzt zu dicht hinter Krieg, dessen Sprungverhalten ist träge, ein Dungeon gestaltet sich als ziemlich repetitiv) wird Darksiders über seine gesamte Spielzeit hinweg nie langweilig und kann sich durchaus mit den Genre-Größen messen. Für den Spruch „besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht“ müsste ich zwar theoretisch das Brutosozialprodukt von Burkina Faso ins Phrasenschwein zahlen, aber es gibt für Darksiders nun einmal kein besseres Fazit.

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Eine Antwort zu “Heaven & Hell: Darksiders

  1. ich überlege mir nun schon ernsthaft seit einigen tagen mir das game zu besorgen. zumal man es bei amazon schon für 45€ bekommt.

    mal sehn… ^^

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