Hail to the Chief

Etwas irritiert las ich kürzlich im amerikanischen NeoGAF-Forum den Beitrag eines Users, der sich über Boss-Kämpfe in Videospielen beschwerte und sie als nicht zeitgemäß befand.
Da muss ich heftig wiedersprechen und will daher an dieser Stelle mal eine kleine Laudatio auf die levelbeschließenden Showdowns halten.

Während die Standard-Gegner, die man zu Dutzenden im Spielverlauf trifft, meist nur durch ihre Masse Gefahr ausstrahlen, stellt der Endgegner einen mindestens ebenbürtigen Gegner da – ein Duell auf Augenhöhe, bei dem wir all unsere erworbenen Fähigkeiten unter Beweiß stellen müssen. Der Endkampf prüft gewissermaßen, ob wir es verdient haben, im Spiel voranzuschreiten, kommenden Aufgaben gewachsen sind und aus bereits absolvierten Passagen die richtigen Lehren gezogen haben.
Die Kreaturen, seien es bildschirmfüllende Monstrositäten oder menschliche Erzfeinde, verfallen vor dem Kampf nicht selten in pompöse Posen oder geben markige Sprüche zum Besten – für uns nur noch mehr Anreiz, endlich zu zeigen, was eine Harke ist und ungeduldig darauf zu warten, dass es endlich losgeht.

Der Atem stockt, der Puls rast, nass und zitterig klammern sich die Hände ans Pad. Während sich die Energieleiste des Gegners senkt wird auch der eigene Lebensbalken in Mitleidenschaft gezogen. Aus diesem Kampf geht nur einer aufrecht hervor. Oft werden die Auseinandersetzungen über mehrere Phasen ausgetragen, in denen sich der Gegner wandelt, mutiert oder seine Angriffsmuster wechselt, und wir ständig Schritt halten und unsere Taktik anpassen müssen.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass wir zunächst keine Chance gegen den Torwächter des nächsten Spielabschnitts haben. Scheinbar ohne Schwachpunkte und mit tödlicher Präzision schlägt er zu, unsere Angriffe verpuffen wirkungslos. Das kann zunächst frustrierend sein, den Endgegner zum Hassobjekt machen, was seine virtuelle Wirkung noch verstärkt. Umso befriedigender ist es dann, wenn wir letztendlich die Taktik durchschauen, den verborgenen Schwachpunkt finden und zurückschlagen. Jeder, der sich ausgiebiger mit Videospielen beschäftigt, kennt wohl dieses unbezahlbare Gefühl, nach einem harten Kampf über sich hinausgewachsen zu sein. In diesen Momenten spielen Videospiele ihre ganze Klasse aus und belohnen uns nicht nur mit dem nächsten Level/Abschnitt/Kapitel sondern auch mit einer Extraportion Endorphinen.

Es ist wahr, dass immer mehr Spiele von dem klassischen Schema abweichen, oder es zumindest variieren. BioShock z.B. lieferte uns mit den Big Daddys eine Art optionalen Endgegner, die ungebunden von festen Unterschlüpfen durch die Spielwelt wanderten und nicht zwangsläufig besiegt werden mussten. Doch es gibt immer noch viele Titel, die den Bosskampf quasi zelebrieren, etwa Ninja Gaiden, God of War oder auch Metal Gear Solid, das uns das wahrscheinlich legendärste Zwischenendgegner-Duell der Videospiel-Geschichte geschenkt hat. Und schließlich ist da auch noch Shadow of the Colossus, das im Prinzip nur aus Endgegnern besteht, von denen ein jeder so erhaben, faszinierend und schlicht „larger than life“ ist, dass sie das Spiel problemlos alleine tragen können.

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Eine Antwort zu “Hail to the Chief

  1. sehe das ähnlich wie du. ich hasse es aber, wenn ich in einem spiel wie zb ninja gaiden erst nach dem 20. versuch den nächsten abschnitt betreten darf.
    endgegner dürfen große und schwere brocken sein, doch möchte ich ihn dann nach dem 4. oder 5. mal schon gemeistert haben. ich hasse frustige videospiele ^^

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